Die Kocherburg – herrschaftlicher Stützpunkt und Amtssitz

Der Geschichts- und Altertumsverein Aalen e. V. gab im voll besetzten Bischof-Hefele-Haus in der vergangenen Woche einen öffentlichen Blick in die alte Überlieferung über die Kocherburg und vor allem über deren Besitzverhältnisse. Auf Einladung des Arbeitskreises zum Erhalt der Ruinenreste und des Altertumsvereins Aalen war der Ellwanger Historiker Hubert Häfele gekommen, um über die Kocherburg zu informieren.

Die am westlichen Steilabhang des Inselbergs Schlossbaufeld gelegene Bauanlage geht auf die Grafen von Dillingen zurück, die im 12. Jahrhundert umfangreiche Besitzungen auf dem Härtsfeld inne hatten. Nach ihrem Aussterben 1258 beanspruchten die Grafen Oettingen weite Teile des Territoriums. Zudem betrauten sie mit der Verwaltung der Kocherburg die Herren von Ahelfingen. 1317 vertauschte Konrad Konrad I. von Ahelfingen Burg und Dorf Unterkochen an die Abtei Ellwangen. Die Kocherburg wurde Sitz des Amtsmanns, von dem aus der gleichnamige Bezirk des Klosterterritoriums verwaltet wurde, bis es 1802 an Württemberg zurück kam. Der Heimatforscher Hubert Häfele ist auf zahlreiche Details bei der Forschung über diese Burganlage gestoßen.

So dürftig die archäologischen Befunde sind, desto mehr geben urkundliche Belege Aufschluss über die Geschichte der Burg. Die älteste Erwähnung der Herren der Kocherburg ist auf einem Pergamentfragment aus dem Jahr 1136, auf dem ein „Rapato aus Kochen“, der eine Hofstätte dicht an der Kirchhofmauer besaß, zu verzeichnen. In einem alten Kalendarium werden danach vier adlige Personen von Kochen genannt. Einer der Ellwanger Äbte, die insgesamt über 40 Burgen beherrschten, war sogar selbst auf der Kocherburg tätig, die auch Amtssitz von Aalen war. Dies wird am Beispiel von Himmlingen deutlich, das bis in die jüngere Zeit kirchlich zu dem früheren ellwängischen Unterkochen, weltlich jedoch zu Aalen gehörte. Ein altes Saalbuch von 1385 wird detailliert der zur Herrschaft Kochenburg gehörende Besitz festgehalten, unter anderem fünf Weiher, ein Burggraben, Baumgärten und sogar eine Fläche für den Hanfanbau sowie 36 Wiesen am Häselbach. 1396 werden außer Dorf und Kirche, sechs Hülben, ein Pfarrhof, zwei Mühlen, sieben Zinsgüter, nebenbei auch zwei Burg-Nachtwächter, ein Tagwächter und ein Torwart geführt. Erwähnt sind hier bis 1425 alle Besitzveränderungen sowie erstmals die Anfänge der Eisenverarbeitung des Hafner-Gewerbes. Weiterhin die Ursprünge der Barbara-Verehrung und nicht zuletzt die Wallfahrt zur Kirche Unserer Lieben Frau, deren Ellwanger Patronat schließlich 1328 bestätigt wurde. Aus Ellwanger Sicht wird unter der Kocherburg von der Elchinger Steige gesprochen, der heutigen Glassteige und einer neuen Neresheimer Chaussee, heute Steige zum Vierwegzeiger. Die Rede war, weil Ebnat nie etwas mit Ellwangen zu tun hatte.

Allein für ein Jahrhundert werden vier Adlige von Kochen genannt, jeweils mit dem Namen Rappot oder Rappotto. Sehr wahrscheinlich hatte die Burg einen Burggraben, eine Zugbrücke, ein Torhaus. Nicht bekannt ist darüber, ob sie einen Brunnen, eine Zisterne, einen Bergfried (Turm zur letzten Verteidigung) oder Stallungen hatte. Drei Gärten gab es auf der Burg und da wurde neben Kraut auch Hanf angebaut, sagte der Historiker. Die Ritter mussten sich bei Schmerzen, wie Zahnweh, irgendwie betäuben. Weitere Erkenntnisse von Häfele sind die wechselnden Besitzverhältnisse, das diffizile Verhältnis zur Reichsstadt Aalen, Streitigkeiten und vor allem auch die enorme Bedeutung der Eisengewinnung. Die Unterkochener waren damals übrigens, so der Historiker, keineswegs rechtlose Leibeigene. Sie hatten Rechte, es gab die niedere Gerichtsbarkeit am Ort und sie waren eine Art Pächter der Güter.

Der Vorsitzende des Geschichts- und Altertumsvereins Alois Schubert zeigte sich bei dieser Veranstaltung über die große Besucherresonanz sehr erfreut. Sein Dank galt den Initiatoren, die sich um die Geschichte des Erhalts der letzten Reste der Kocherburg bemühen, namentlich Erich Holzwarth, Artur Grimm, Albert Grimm und Herr Dr. Wolfgang Palm.

(Text: Hubert Mahringer)
© Stadt Aalen, 13.05.2008

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